13.04.2026
DENEFF-Studie: Was Unternehmen vom Energiesparen abhält – und was Betriebe in MV daraus lernen können
Nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern lassen viele Unternehmen oft genau die Energiesparmaßnahmen liegen, die sich wirtschaftlich am schnellsten rechnen. Eine neue Kurzstudie von PwC im Auftrag der DENEFF zeigt: Die größten Bremsen sind nicht fehlende Technik, sondern kurze Investitionshorizonte, Unsicherheit bei Energiepreisen, unklare Zuständigkeiten und eine Investitionslogik, die laufende Einsparungen zu wenig berücksichtigt.
Klar ist: Energieeffizienz spart Kosten, senkt Risiken und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit. Trotzdem werden viele wirtschaftlich sinnvolle Maßnahmen in der Industrie nicht umgesetzt — besonders dort, wo Prozesswärme, Abwärme und interne Abläufe eine große Rolle spielen.
Warum das Thema für MV wichtig ist
Für Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern ist das relevant, weil Energiekosten viele Betriebe direkt belasten. Wer seinen Energiebedarf senkt, verschafft sich schnell Entlastung im Betrieb — unabhängig davon, ob es um Produktion, Wärmeversorgung oder interne Anlagen geht. Die Studie macht aber deutlich, dass schon einfache Maßnahmen mit kurzen Amortisationszeiten oft an Alltagsproblemen scheitern, obwohl sie wirtschaftlich sinnvoll wären.
Für MV-Unternehmen heißt das: Nicht erst auf die große Transformation warten, sondern zuerst die naheliegenden Einsparpotenziale heben. Das passt besonders gut zu Betrieben, die Kosten senken und ihre Versorgung robuster aufstellen wollen.

Anwendungsbereiche am Endenergieverbrauch und Endenergieverbrauch Prozesswärme. Quelle: BMWK (2022), Agora Energiewende (2022), Darstellung: PwC, DENEFF
Fünf Handlungsfelder
Laut DENEFF identifiziert die Studie fünf zentrale Handlungsfelder, in denen besonders viele wirtschaftliche Potenziale ungenutzt bleiben.
1: Mit industriellen Wärmepumpen Dampf machen.
Industrielle Wärmepumpen können ungenutzte Abwärme auf ein für Produktionsprozesse geeignetes Temperaturniveau anheben und etwa fossile Dampferzeugung ersetzen. In der Praxis werden sie jedoch durch hohe Stromkosten und fehlende Netzanschlüsse ausgebremst.
2: Prozesswärme mit Hochtemperatur-Wärmespeichern flexibilisieren.
Wärmespeicher ermöglichen es, Energie dann aufzunehmen, wenn sie günstig oder verfügbar ist, und Wärme genau dann bereitzustellen, wenn die Produktion sie braucht. Trotz dieses Vorteils kommen sie bislang kaum zum Einsatz, weil regulatorische Hürden und Preisstrukturen ihre Wirtschaftlichkeit schmälern.
3: Abwärme mehrfach nutzen – mit Wärmerückgewinnung und internen Netzen.
In vielen Betrieben verpufft Abwärme ungenutzt, weil die notwendige Infrastruktur bislang nicht gefördert wird oder nur als Einzelmaßnahme betrachtet wird. Dabei könnten innerbetriebliche Wärmenetze Abwärme systematisch erschließen und langfristig erhebliche Einsparungen ermöglichen.
4: Energieverbrauch durch konsequentes Energiemanagement und Nutzerverhalten senken.
Monitoring, intelligente Steuerung und geschultes Nutzerverhalten gehören zu den günstigsten und schnell wirksamen Maßnahmen. Dennoch bleiben sie oft liegen, weil Aufmerksamkeit, Zuständigkeiten und Umsetzung im Betriebsalltag fehlen. Die im Energieeffizienzgesetz geregelten Energiemanagementsysteme sind dafür die Basis.
5: Wärmeverluste durch bessere technische Isolierung vermeiden.
Obwohl Dämmmaßnahmen technisch ausgereift, vergleichsweise günstig und schnell wirksam sind, gelten sie intern häufig als nachrangig oder „lästig“ – mit der Folge, dass vermeidbare Wärmeverluste bestehen bleiben.
Was Unternehmen konkret tun können
Unternehmen sollten zuerst ihren Wärmebedarf und ihre größten Verluste prüfen. Besonders sinnvoll sind Maßnahmen, die schnell wirken und wenig Eingriff in die Produktion brauchen: Dämmung verbessern, Abwärme nutzbar machen, Regelungen optimieren und den Verbrauch systematisch überwachen.
Auch ein funktionierendes Energiemanagement ist ein echter Hebel. Die Studie zeigt, dass Monitoring, intelligente Steuerung und geschultes Nutzerverhalten zu den günstigsten Maßnahmen gehören, im Alltag aber oft an fehlender Zuständigkeit und Aufmerksamkeit scheitern. Wer hier Klarheit schafft, senkt nicht nur Kosten, sondern verbessert auch die Grundlage für spätere Investitionen.
Efficiency first
Die DENEFF-Studie betont das Prinzip „Energy Efficiency First“: Unternehmen sollten erst ihren Energiebedarf senken, bevor sie neue Erzeugungs- oder Versorgungslösungen aufbauen. Das ist nicht nur klimapolitisch sinnvoll, sondern vor allem wirtschaftlich vernünftig, weil jede nicht verbrauchte Kilowattstunde Kosten, Risiken und Investitionsbedarf reduziert.
Für Unternehmen in MV ist das besonders wichtig bei Prozesswärme, Kälte, Dampferzeugung und innerbetrieblicher Wärmeverteilung. Wer hier zuerst Effizienzpotenziale ausschöpft, verbessert die Wirtschaftlichkeit von Folgeprojekten wie Elektrifizierung, Wärmepumpen oder Speichern deutlich.
Relevanz für Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern
Die Kernaussage der Studie lässt sich gut auf MV übertragen: Viele Einsparmaßnahmen scheitern nicht am „Ob“, sondern am „Wie“. Oft fehlen klare Verantwortlichkeiten, belastbare Wirtschaftlichkeitsrechnungen oder einfach der erste strukturierte Schritt. Genau hier können Unternehmen ansetzen, bevor sie in größere Umbauten gehen.
Besonders relevant sind deshalb drei Fragen: Wo entstehen die größten Wärmeverluste? Welche Maßnahmen zahlen schnell auf die Energiekosten ein? Und wer treibt das Thema intern verbindlich voran? Wer diese Fragen beantwortet, macht aus Energieeffizienz einen konkreten Wirtschaftsfaktor.
MVeffizient kann dabei unterstützen
MVeffizient unterstützt Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern kostenlos und unabhängig bei Fragen rund um Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Im Fokus stehen praxisnahe Lösungen, die Kosten senken und Unternehmen dabei helfen, den Energieeinsatz systematisch zu verbessern.
Um herauszufinden, mit welchen Maßnahmen sich in Ihrem Betrieb die größten Einsparpotenziale heben lassen, werfen wir gemeinsam einen strukturierten Blick auf Verbräuche, Wärmeverluste und interne Zuständigkeiten. Genau dort liegen nämlich oft die größten Einsparpotenziale.
Fazit der Studie
Die PwC-Studie empfiehlt gezielte Investitionsanreize, etwa in Form eines Wärmestrompreises, die konsequente Umsetzung des Energieeffizienzgesetzes sowie die Förderung innerbetrieblicher Infrastrukturen. Anschubförderungen für innovative Technologien wie Wärmepumpen und Hochtemperaturspeicher könnten zudem die Risikowahrnehmung senken und positive Umsetzungsbeispiele schaffen.
Ein verlässlicher politischer Rahmen ist und bleibt entscheidend, um die Energieeffizienzpotenziale der Industrie zu heben und die Transformation zur klimaneutralen Produktion zu beschleunigen.
Ergänzender Hinweis
Für Unternehmen mit relevanter Prozesswärme kann auch das neue Web-Tool „Transformationspfade der Prozesswärme“ des Clusters Dekarbonisierung der Industrie (CDI) hilfreich sein. Es führt in fünf Schritten durch eine strukturierte Analyse und liefert konkrete Ansätze zur Dekarbonisierung von Prozesswärme. Mehr dazu hier: CDI-Web-Tool „Transformationspfade der Prozesswärme“


