Weber Food Technology in Neubrandenburg baut Energieversorgung um

Die Weber Food Technology SE & Co. KG beschäftigt am Standort Neubrandenburg auf dem Datzeberg rund 450 Mitarbeitende und zählt zu den größten Arbeitgebern der Stadt. Das Unternehmen war bei der zweiten Energie-Effizienz-Konferenz von MVeffizient vertreten. Der Energiemanagementbeauftragte Gordon Ruthenberg stellte dort vor, an welchen Stellschrauben der Standort seit Jahren dreht, um Energie zu sparen und den eigenen Strombedarf zunehmend selbst zu decken.

Ausgangslage – was am Standort bereits umgesetzt wird

Kunden von Weber fragen zunehmend eine klimaneutrale Produktion nach. Das Unternehmen hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, bis 2030 nahezu klimaneutral zu produzieren. Ein zentraler Baustein dafür ist die eigene Stromerzeugung. Die Dachflächen sind mittlerweile vollständig mit Photovoltaik belegt. Einige PV-Anlagen sind schon älter und wurden im Rahmen eines Repowering erneuert. Zuvor wurden die entsprechenden Dachflächen saniert und gedämmt. Aktuell deckt Weber damit 17 Prozent des eigenen Strombedarfs selbst. Weil die Dachflächen ausgereizt sind, richtet sich der Blick jetzt auf neue Flächen und neue Technik. Dazu unten mehr.

Werksgelände der Weber Food Technology, Bestands-PV-Anlagen und für das Repowering vorgesehene Flächen (Stand Anfang 2026).

 

Eine Wärmerückgewinnung an den Druckluftkompressoren deckt inzwischen die komplette Warmwasserversorgung des Werks, das spart rechnerisch rund 400.000 Kilowattstunden Erdgas im Jahr. Unabhängig davon fangen Wärmetauscher in der abgesaugten Luft aus den Werkshallen zusätzliche Abwärme ein, die sonst ungenutzt entweichen würde. Eine neu gebaute Halle heizt über Wärmepumpen statt über fossile Energie.

Für kurze Wege auf dem Betriebsgelände ist mittlerweile ein elektrischer StreetScooter (ehemalige Post-E-LKWs) sowie mehrere weitere E-Scooter für die Haustechnik im Einsatz. Auch bei Zulieferern schaut Weber genau hin: Sie werden auf entsprechende Nachhaltigkeitszertifizierungen geprüft, bevor sie gelistet werden.

Beim Energiemanagement steckt das Unternehmen noch im Aufbau. Weber führt aktuell ein Energiemanagementsystem nach ISO 50001 ein, mit dem sich Energieverbräuche systematisch erfassen und steuern lassen. Grundlage dafür ist ein Messstellenkonzept, das gemeinsam mit der Firma Schneider Electric entwickelt wird und die relevanten Verbrauchsstellen im Werk erst einmal sichtbar machen soll. Die eigentliche Auswertung der Stromverbräuche folgt, wenn dieses Messkonzept Schritt für Schritt umgesetzt ist, aktuell liegt der Fokus also auf dem Aufbau der Datengrundlage. Bemerkenswert dabei: Formal läge Weber inzwischen unter dem Schwellenwert, ab dem ein Energiemanagementsystem gesetzlich verpflichtend wäre. Das Unternehmen führt den Prozess trotzdem fort, weil die erwarteten Einsparungen aus Sicht des Unternehmens die Investition in Messtechnik und Aufbau übersteigen.

Teile der Hallenheizungs- und -lüftungsanlage. Die Heizwärme wird mithilfe von Wärmepumpen erzeugt.

Das aktuelle Großprojekt: Speicher, Sonne und Wind erhöhen den Anteil des selbsterzeugten Stroms von 17 auf 78 Prozent

Ende August 2026 hat Weber ein deutlich größeres Vorhaben öffentlich gemacht. Auf dem bislang unbebauten Gewerbegebiet Nettelkuhl, direkt angrenzend an die bestehenden Werkshallen auf dem Datzeberg, sollen ein Batteriespeicher, weitere Photovoltaikanlagen und zwei Windräder entstehen. Die Investition liegt bei 7,9 Millionen Euro, das Land Mecklenburg-Vorpommern unterstützt das Projekt mit rund 3,1 Millionen Euro. Das Unternehmen erhielt den entsprechenden Förderbescheid im Rahmen der Einweihung des neuen Ausbildungszentrums am Standort. Bis zur Förderzusage war es ein langer Weg: Dem Zuwendungsbescheid ging ein Antragsverfahren voraus, das mehrere Monate dauerte. Aber der Aufwand hat sich gelohnt.

Bei der Photovoltaik geht es nicht nur um neue Flächen. Auf dem bestehenden Dach hat im Mai 2026 bereits das Repowering begonnen: Ältere Module werden durch leistungsfähigere ersetzt, sodass die vorhandene Fläche mehr Ertrag liefert. Ergänzt wird das durch neue Freiflächenanlagen auf dem Nettelkuhl-Areal und die beiden geplanten Windräder. Deren Gesamthöhe bleibt mit weniger als 50 Metern bewusst kompakt, wegen der Nähe zum Flugplatz Trollenhagen war dafür eine Prüfung durch das Luftfahrt-Bundesamt nötig, die inzwischen positiv ausgefallen ist.

Beim Speicher setzt Weber auf ein Hybridsystem aus zwei unterschiedlichen Batterietechnologien. Eine Redox-Flow-Batterie übernimmt die langfristige, große Kapazität. Sie hält deutlich länger durch als klassische Batteriespeicher, reagiert dafür aber langsamer auf schnelle Lastwechsel. Ergänzt wird sie durch Lithium-Speicher, die kurzfristige Spitzen schnell abfangen können. In der Kombination soll das System eine ganze Nachtschicht nahezu durchgängig versorgen können. Nach Angaben des Unternehmens gibt es bundesweit bislang erst zwei vergleichbare Redox-Flow-Anlagen, keine davon in dieser Größenordnung.

Mit dem Zusammenspiel aus Speicher, neuer PV und Windkraft will Weber den Anteil selbst erzeugten Stroms von aktuell 17 auf 78 Prozent steigern. Fertig sein soll das gesamte Vorhaben bis Ende 2027.

Unter dem Titel „we GO GREEN“ bündelt Weber alle Aktivitäten für mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Das Logo der Initiative schmückt auch die werkseigenen Elektrotransporter.

Was als Nächstes ansteht – Lessons Learned

Zusätzlich prüft Weber, ob sich überschüssiger, selbst produzierter Strom aus der neuen PV-Anlage direkt an benachbarte Unternehmen im Gewerbegebiet oder dem Standort Groß Nemerow vermarkten lässt. Überschüsse aus den bestehenden Anlagen werden derzeit noch vergütet eingespeist, neue Anlagen sollen künftig in die Direktvermarktung gehen. Das Messstellenkonzept mit Schneider Electric wächst parallel weiter, Schritt für Schritt sollen so mehr Verbrauchsdaten für die Steuerung zur Verfügung stehen.

Weber sammelte im gesamten Prozess wertvolle Erfahrungen. Bei einem Projekt dieser Größenordnung ist es sehr wichtig, frühzeitig mit den Stadtwerken und allen weiteren Beteiligten an einen Tisch zu kommen, um einen permanenten Abstimmungsprozess in Gang zu setzen. Das Antragsverfahren beim Land hat zudem gezeigt, dass solche Vorhaben Ausdauer erfordern. Das weckte bei den Verantwortlichen von Weber den Unternehmergeist. Wie der Energiemanagementbeauftragte Gordon Ruthenberg bei unserer 2. Energie-Effizienz-Konferenz berichtete, bringt CEO und Gesellschafter Tobias Weber die Haltung des Unternehmens mit einem anpackenden Statement auf den Punkt: „Vorne ist da, wo sich keiner auskennt. Und da sind wir.“ Mit der neuen Speicheranlage, die es in dieser Größe bundesweit noch nirgendwo gibt, macht Weber diesem Satz gerade alle Ehre.

 

Unternehmen, die ähnliche Maßnahmen für den eigenen Standort prüfen wollen, können sich im Rahmen der kostenfreien und anbieterunabhängigen Erstberatung von MVeffizient zu Sparmaßnahmen und deren Umsetzung informieren. Wir beraten Sie gerne individuell in Ihrem Betrieb, kostenlos und neutral. Vereinbaren Sie einen Termin unter Tel.: 0385 3031642 bzw. per E-Mail: beratung@mv-effizient.de.