Holztreppen aus Lützow, Strom aus eigener Erzeugung
Wie die Firma Derstappen die Energiewende selbst in die Hand nimmt
Die Treppenmeister® Derstappen GmbH fertigt seit 1990 Holztreppen. Seit dem Jahr 2000 befindet sich der Standort des Unternehmens in Lützow unweit von Schwerin. Reiner Derstappen gründete das Unternehmen als kleinen holzverarbeitenden Betrieb. Heute beschäftigt die Firma über 100 Mitarbeitende und steht vor dem Wechsel in die dritte Generation. Treppen aus Lützow stehen in Wohnhäusern in ganz Norddeutschland. Sie werden von einem Team gefertigt und montiert, das Handwerk und moderne Fertigungstechnik verbindet. Bereits seit 1999 heizt der Betrieb mit einem Blockheizkraftwerk und dem eigenen Spänebunker, also mit den Holzresten aus der eigenen Produktion. Diese Wärmeversorgung ist bereits CO₂-neutral.
Photovoltaik und Speicher senken die Lastspitze fast auf die Hälfte
Seit 2024 läuft die PV-Anlage auf dem Betriebsgelände, installiert gemeinsam mit der WEMAG. Auf dem Weg dorthin gab es einige Hürden. Lieferengpässe und Abstimmungsschwierigkeiten bei der Abnahme kosteten Zeit, am Ende hat das Team sie alle genommen.
Die Anlage leistet 414 kWp und liefert rund 1,3 MWh Strom an durchschnittlichen Sonnentagen. Ergänzt wird sie durch einen Speicher von Fenecon mit 360 kWh Kapazität und 186 kW Leistung. Das Ziel bei der Auslegung war klar: Lastspitzen sollten gekappt werden. Genau das ist gelungen. Während die Spitzenlast vor Installation der Anlage noch bei 400 kW lag, beträgt sie heute nur noch 220 kW.
Im Jahr 2025 bezog Derstappen rund 360 MWh Strom aus dem Netz. Die PV-Anlage lieferte 305 MWh, von denen das Unternehmen 194 MWh direkt im eigenen Betrieb nutzte, der Rest wurde eingespeist. Die Treppenbauer wollten ihre Stromkosten halbieren. Dank der kombinierten Eigenstromerzeugung und Lastspitzenkappung konnten sie dieses Ziel erreichen.
E-Mobilität wächst mit
Aktuell versorgen fünf Ladestationen mit je 11 kW die Dienst-PKW auf dem Betriebsgelände. Zehn weitere Stationen mit je 22 kW sollen hinzukommen, auch für Mitarbeitende mit eigenem E-Auto. Das Interesse in der Belegschaft ist schon jetzt groß, die Ladeinfrastruktur zahlt so auch auf die Mitarbeiterbindung ein. Denkbar ist zudem, die Ladesäulen später für die Öffentlichkeit zu öffnen.
Der nächste, größere Schritt betrifft den Fuhrpark. Statt nur Dienst-PKW sollen künftig auch Transporter elektrisch fahren. Am Wochenende steht die Produktion still, dann bleibt viel Solarstrom ungenutzt liegen – genug, um Fahrzeuge zu laden. Zwei Dinge bremsen aktuell noch. Reichweite und Zuladung der verfügbaren E-Transporter reichen für den betrieblichen Alltag oft nicht aus, 400 Kilometer Reichweite gelten als Minimum. Außerdem ist das Leasing von E-Transportern derzeit noch teurer als das von vergleichbaren Dieselmodellen.
Bei der Zuladung zeichnet sich Entlastung ab. Gemäß § 6 Abs. 3b der Fahrerlaubnis-Verordnung dürfen Inhaber eines Führerscheins der Klasse B nach zweijähriger Besitzdauer bereits heute rein elektrisch betriebene Transporter mit einem zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 4,25 Tonnen fahren, ohne eine zusätzliche Fahrerlaubnis zu benötigen. Die zusätzlichen 750 Kilogramm sind für das höhere Batteriegewicht gedacht und verschaffen genau die Zuladung, die Derstappen für den Transportereinsatz braucht. Ein Fahrtenschreiber bleibt allerdings Pflicht, sobald das eingetragene Gesamtgewicht über 3,5 Tonnen liegt.
Was als Nächstes ansteht
Derstappen erwägt, die Speicherkapazität zu verdoppeln, um den Eigenverbrauch der PV-Anlage zu erhöhen und die Abhängigkeit von den Strompreisen zu reduzieren. Für diesen Schritt gibt es eine Förderoption über die Klimaschutzförderrichtlinie Unternehmen des LFI. Voraussetzung sind mindestens 20.000 Euro Investitionssumme, eine Amortisationszeit von mehr als fünf Jahren und eine Senkung des derzeitigen Netzstrombezugs um mindestens 30 Prozent. Den Nachweis kann der Speicheranbieter rechnerisch bereits vor der Maßnahme erbringen. Die Förderquote liegt bei mindestens 30 Prozent, für mittlere Unternehmen kommen zehn weitere Prozentpunkte dazu.
Auch abseits von PV und E-Mobilität gibt es noch einiges zu tun. So ist beispielsweise die Kühlung der Produktionshalle ein offener Punkt, denn bei der Holzverarbeitung muss die Luftfeuchte exakt stimmen. Eine Möglichkeit wäre es vielleicht, das bestehende Lüftungssystem um ein Kühlregister zu erweitern. Das würde auch die Arbeitsbedingungen der Mitarbeitenden in der Produktion verbessern.
Ein Energiemanagementsystem, das voraussichtlich mit einem externen Dienstleister umgesetzt werden müsste, soll künftig alle Anlagen miteinander vernetzen und Lastspitzen sowie den Eigenverbrauch weiter optimieren.
Fazit
Bei Derstappen ist in den vergangenen Jahren viel passiert. PV-Anlage, Speicher und Ladeinfrastruktur laufen im Zusammenspiel, die Lastspitze ist fast halbiert, die Stromkosten sind es auch. Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz gehören für das Unternehmen zusammen, nicht als Gegensatz, sondern als gemeinsamer Maßstab für jede Entscheidung.
MVeffizient hat das Unternehmen vor Ort besucht, gemeinsam mit dem technischen Berater weitere Potenziale identifiziert und zu passenden Fördermöglichkeiten beraten. Möchten auch Sie Energie und Kosten sparen, erneuerbare Energien und E-Mobilität nutzen? Wir beraten Sie gerne individuell in Ihrem Betrieb, kostenlos und neutral. Vereinbaren Sie einen Termin unter Tel.: 0385 3031642 bzw. per E-Mail: beratung@mv-effizient.de.

Wechselrichter der PV-Anlage – Lastspitzen und Stromverbrauch konnten jeweils halbiert werden (Foto: LEKA MV)






